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Der neuste Leser-Kommentar ist 'on bottom of the list'!

Name: the-Beyonder
21.9.2008 04:12 Uhr

Kommentar: Hi Mulmi,

hmm, ich merke schon, du bist ein junger dynamischer Philosoph aber du gehst ein bisschen leichtfertig mit den gelösten Fragen um!

Wenn man einfach frei darüber philosophieren will, dann stimmt es ja, unser Wissen kann man in Frage stellen. Ein kräftiger Indiz dafür ist der Falsifikationismus vom Karl Popper. Man kann niemals ausschließen, dass unser Wissen irgendwann kein richtiges Wissen sein wird. Das gleiche gilt für die Existenz Gottes. Man kann z.B. niemals die Annahme eliminieren, dass kein Gott existiere, genauso wie die Annahme, dass ein Einhorn existieren dürfte, aber das gehört eher zur endlosen Fantasie als zur Philosophie.

Dennoch, irgendwo muss man aber anfangen. Und das bildet die Grundlage der Wissenschaftstheorie. Die Empirie liefert uns den Maßstab zum Wissen. Seit Milliarden von Jahren haben sich einige Dinge geändert, aber was unser Wissen begründet nicht. Es ist immer noch so, dass der Apfel immer noch nach unten fällt, wenn er fällt!!

Gruß

Name: Mulmi
21.9.2008 15:48 Uhr

Kommentar: @ the-Beyonder

Ich bewerte philosophische Fragen keineswegs leichtfertig als gelöst.

Was sind die/ meine Kriterien?

Als gelöst beurteile ich eine philosophische Frage, wenn für diese eine Antwort vorliegt, welche die wesentlichen Aspekte der Frage derart beantwortet, dass es, für die Kern-Aussage der gegebenen Antwort, keine andere, inter-subjektiv vernünftige Alternative (mehr) gibt bzw geben kann!

Ein gutes Beispiel dafür, ist die Frage 'Ist all unser Wissen Theorie?':

Man kann die Antwort, die ich auf diese Frage gegeben habe, SICHERLICH, stilistisch 'verschönern' und 'auffrisieren'... ABER: Zur Kern-Aussage meiner Antwort, dass JEDE, wie auch immer geartete Theorie (entsprechendes) Wissen zur Voraussetzung hat, gibt es tatsächlich keine andere, inter-subjektiv vernünftige Alternative.
DENN: Die Entwicklung einer jeden Theorie, ist eine intellektuelle Leistung; und es ist, allgemein, keine einzige Theorie eines Lebewesens bekannt, die, ohne (entsprechendes) Vor-Wissen, entwickelt hätte werden können.

Oder ist dir, auch nur eine einzige Theorie bekannt, die ohne (entsprechendes) Vor-Wissen möglich (gewesen) wäre?!

Selbst ein junger Puma, zB, muss er erst vielfältige Erfahrungen sammeln, und muss erst noch, so manches lernen, bis es ihm gelingt, ein erfolgreicher Jäger, mit einer ebenso erfolgreichen Jagd-Strategie, zu werden.

Und da die von mir - auf die Frage 'Ist all unser Wissen Theorie?' -, gegebene Antwort, die wesentlichen Aspekte dieser Frage behandelt, und es, zur Kern-Aussage meiner Antwort, keine andere, inter-subjektiv vernünftige Alternative gibt, erachte ich die Frage 'Ist all unser Wissen Theorie?' als inter-subjektiv gelöst!

LG Mulmi

Name: the-Beyonder
21.9.2008 16:48 Uhr

Kommentar: Hi Mulmi,

ich habe dich schon verstanden, aber darum geht es mir nicht. Wissen gilt objektiv bzw. intersubjektiv als Wissen und nichts anderes. Damit will ich sagen, schon die Fragestellung ist hinfällig bzw. hat keine Relevanz mehr, weil sie schon die Antwort enthält!!

Wenn ich die Frage stelle: "Ist unsere Welt real?" und danach antworte: "ja, weil sie intersubjektiv als real gilt", wo bleibt dann die philosophische Aufgabe?

Diese Fragestellung kann ich mit beliebigen Objekten, die als gesichert sind, fortsetzen. Ob ein Gott, die Matrix, der Yeti oder der ET existiert, da kann man sich tot darüber philosophieren - also so eine Art Metaphilosophie - letztendlich liegt die intersubjektive Antwort in die Hand!! Ich kann immer in der Lage sein, alles was ich wahrnehme, in Frage zu stellen - natürlich darf ich das - aber das bringt mir nichts.

Objektiv ist 1+1=2 und das gehört zum Wissen, gilt als gesichert. Das ist schon die Antwort. Wozu die Frage stellen, ob dies eine Theorie sein kann, wenn die Antwort schon da ist.

Philosophieren hat keine Grenzen. Die Abjektivität vom Karl Popper liefert ein Beispiel hierfür. Trotzallem, eine Metaphilosophie liefert uns keine Indizien. Deshalb bleiben wir auf der sicheren Seite, denn damit sind wir in der Lage, was anzufangen, vorwärts zu kommen!

Gruß

Abjektivität

Name: Mulmi
22.9.2008 00:05 Uhr

Kommentar: Hallo Beyonder

Stimmt.
Man kann alles und jedes hinterfragen, und, man kann alles und jedes verneinen!

Da dem so ist, spreche ich auch - wenn ich einen philosophischen Beweis vorlege - nicht davon, dass der von mir erbrachte Beweis für ALLE (Menschen) Gültigkeit besitzt!

Andere Menschen, bevorzugen andere Erkenntnismittel und Beweisführungsmethoden, als ich das tue.

Manche, wollen oder können nicht an die Ratio glauben, und bevorzugen eher das gefühlsmäßige und/ oder intuitive Erkennen.

Für manche ist alles, das sie mit ihren Sinnen wahrnehmen, kritiklos wahr - ganz so, wie es von ihnen wahrgenommen wird.

Und: Für andere wieder, ergibt 2+2 nicht 4, sondern prinzipiell 27.

Es gibt bei Weitem viel zu viele Menschen - und damit viel zu viele unterschiedliche Sichtweisen und Zugänge zur Frage, was wahr ist, und, was es ist, das (verlässlich) zur Wahrheit führt -, als dass es jemals möglich wäre, tatsächlich ALLE Menschen davon zu überzeugen, nur noch an eine einzelne Erkenntnistheorie zu glauben, und sich nur noch dieser einen, singulären Erkenntnistheorie zu bedienen.

'Es wird immer jemand geben, der Anderes glaubt!'

Und da es immer jemand geben wird, der in der Wahrheits-Frage, etwas anderes glaubt, wird eine jede, auf einer bestimmten Erkenntnistheorie aufbauende Beweisführung (von und durch andere Menschen) Kritik erfahren!

Eine Erkenntnistheorie also, die in dem Sinne inter-subjektiv ist, dass sie von tatsächlich ALLEN Menschen als Wahrheit, und, als zur Wahrheit führend, anerkannt wird, wird wohl auf ewig eine Illusion bleiben.
Und daher wird eine jede erkenntnistheoretische Sichtweise, immer nur in der Hinsicht als inter-subjektiv gelten können, als dass sie für eine bestimmte Gruppe oder eine beschränkte Zahl (von Menschen) Gültigkeit besitzt.

Oder: Allgemeiner formuliert: Eine jede erkenntnistheoretische Position, hat immer nur innerhalb eines beschränkten Kreises von Subjekten Gültigkeit, in dem die, dem jeweiligen Kreis zugehörigen Subjekte, im Grunde, dieselben oder (sehr) ähnliche erkenntnistheoretische Positionen teilen.

Man könnte einen solchen Kreis von Subjekten, die an dieselben oder (sehr) ähnliche erkenntnistheoretische Sichtweisen glauben, auch als (erkenntnistheoretischen) Glaubens-Kreis bezeichnen.

Ich persönlich fühle mich vor allem jenem (erkenntnistheoretischen) Glaubens-Kreis zugehörig, in dem allgemeine, nicht nur von einem Subjekt gemachte Erfahrungen UND die Allgemeinen-Regeln der Ratio, IM VERBUND, als Erkenntnis- und Beweisführungsmittel anerkannt werden.
Und da ich mich diesem speziellen (erkenntnistheoretischen) Glaubens-Kreis zugehörig fühle, und ihn, gegenüber anderen bevorzuge, richten sich meine philosophischen Beweisführungen und Lösungsversuche, naturgemäß, IN ERSTER LINIE, an eben diesen speziellen Kreis, von Subjekten.

Das heißt: Wenn ich davon spreche, dass ich eine philosophische Frage als INTER-SUBJEKTIV gelöst betrachte, meine ich damit, dass für diese Frage eine Antwort vorliegt, die gemäß der erkenntnistheoretischen Grund-Regeln jenes (erkenntnistheoretischen) Glaubens-Kreises erstellt wurde, für den sich gedacht ist, und die, in ihrer Kern-Aussage, dermaßen zwingend/ überzeugend ist, sodass sie für die Mehrzahl der Subjekte, IHRES (erkenntnistheoretischen) Glaubens-Kreises, im Grunde, als einzig mögliche Antwort angesehen werden müsste!

Die von dir ins 'Spiel' gebrachte Abjektivität, meint allerdings eine andere Art der Inter-Subjektivität.

Subjektivität der Objektivität (Abjektivität): Die Form von Erkenntnistheorie, nach der nur intersubjektive Erkenntnis möglich sei, nennt man Kritischen Rationalismus (Popper). Die Einschätzung einer Sache oder eines Zustandes als 'objektiv' beruhe demnach auf der subjektiven Einschätzung des Beobachters. Somit sei Objektivität nicht möglich, da sie stets der subjektiven Bewertung ausgesetzt sei.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Objektivit%C3%A4t

Inter-Subjektivität meint in diesem Zusammenhang NICHT eine beschränkte Zahl von Subjekten, sondern: 'ausschließlich subjektiv' bzw 'ausschließlich auf das Subjekt reduziert'.

Das Konzept der Abjektivität, überzeugt mich jedoch nicht vollständig.
DENN: Im Kritischen Rationalismus wird davon ausgegangen, dass das Subjekt in eine ihm umgebende Wirklichkeit eingebettet ist, und diese, mittels seiner subjektiven Sinne, wahrnimmt.

Der Kritische Rationalismus betrachtet also das Subjekt, als Teil einer, über das Subjekt hinausgehenden Wirklichkeit.

Ausgehend von der Grund-Auffassung, dass das Subjekt in eine, ihm umgebende Wirklichkeit eingebettet und ein Teil dieser Wirklichkeit ist, wäre es eigentlich logisch konsequent, das Subjekt nicht nur als Subjekt SONDERN AUCH als etwas Objektives zu begreifen.

'Etwas, das Teil der objektiven Wirklichkeit ist, ist selbst AUCH etwas Objektives, und 'funktioniert' demgemäß nach denselben Grund-Muster, wie auch der Rest der objektiven Wirklichkeit!'

'Wer Subjektives betrachtet, betrachtet etwas Objektives! Denn: Wer Subjektives betrachtet, betrachtet die/ eine objektive Wirklichkeit!'

Doch diese, wie ich meine, logisch konsequente Schlussfolgerung wird im Kritischen Rationalismus leider nicht gezogen, und es wird stattdessen darauf beharrt, dass Subjektives und Objektives etwas, im Grunde, Verschiedenes sind.

Und zum Abschluss dieses Postings noch eine kurze Bemerkung dazu, warum ich es für notwendig erachtet habe eine Antwort auf die Frage 'Ist all unser Wissen Theorie?' zu geben:
Begründung:
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in vielen philosophischen Diskussionen, die sich um den Themenkreis Erkenntnis drehen, vor allem bei Philosophie-Neulingen, die Sichtweise beliebt ist, dass eben all unser Wissen Theorie ist...

.... und... derart unzutreffenden Philo-Mythen möchte ich begegnen, und ihnen - durch nachvollziehbar-begründete Antworten - ein Ende bereiten!

LG Mulmi

Name: DerAntichrist
8.12.2008 08:19 Uhr

Kommentar:
Frage: Es wird immer wieder gesagt und darauf hingewiesen, dass all unser Wissen nichts weiter sei als als eine Ansammlung von Theorien.
Stimmt das?

Ja!

Naja, nehme ich geschichtliches Wissen, irgendeine Kodexzahl, z.B 753, Rom.
Wenn ich das jetzt "weiß" dann hab ich darüber zwar keine großen "Theorien" angesammelt, ich habs mir erzählen lassen und auswendig gelernt....nur sind hören und sehen ja auch "Theorien", "Beobachtungen" oder in wissenschaftlicheren Beispielen "Erkenntnisse" die nur durch vorhergehende Wahrnehmungen bestätigt werden, vorherige "Theorien" im Sinn von Vermutungen sind ja auch schon eine sehr schwache Form von Wissen...

Also ich würde sagen sobald ich etwas "theoretisiere" (beobachte) erlange ich Wissen darüber, mache ich über etwas Aussagen was ich nicht theoretisch nachvollziehen kann, dann bin ich beim "Glauben" gelandet!

Ach herrlich mulmi, schöne Frage, hab mich immer gefragt wo genau der Unterschied zwischen Glaube und Wissen liegt...das passt mir da ja schön rein :)

Name: Nikolaus2001
3.1.2008 10:48 Uhr

Kommentar: Hallo the-Beyonder,

die von Mulmi gestellte Frage lautete "Ist all unser Wissen Theorie?" und es tut mir leid, aber in der Art und Weise wie die Frage gestellt ist, ist nicht ablesbar ob die Antwort Ja, Nein oder möglicherweise anderslautend sein wird. Die Fragestellung ist also keineswegs hinfällig.
Und in seinem Text ist nirgendwo zu lesen, dass deshalb all unser Wissen keine Theorie ist, weil das von den meisten Menschen so als intersubjektiv richtig eingestuft wird.
Du hast da offensichtlich das Eine oder Andere falsch verstanden. Mulmis Begründungen finde ich übrigens schlüssig.

MfG Nikolaus2001

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